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Uranmunition
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Uranmunition, auch DU-Munition (von englisch depleted uranium), ist panzerbrechende Munition, deren Geschosse abgereichertes Uran enthalten.cite-ref-1[1] Aufgrund der hohen Dichte (≈19,1 g/cmÂł) des Urans entfalten diese beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft. Das abgereicherte Uran besteht, im Vergleich zu Natururan, zu einem geringeren Anteil aus dem spaltbaren Uranisotop 235U und damit grĂ¶ĂŸtenteils aus dem nicht durch thermische Neutronen spaltbaren Isotop 238U. Die RadioaktivitĂ€t des abgereicherten Urans (die α-Strahlungs-AktivitĂ€t ist mit 15.000 Bq/g etwa 40 % geringer als die von Natururan) erfĂŒllt in diesem Fall keinen militĂ€rischen Zweck.

Contents

‱ Anwendung
‱ Auswirkungen
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Geschichte und Verbreitung

Erste Versuche mit Uran-Hartkerngeschossen fĂŒhrte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg durch. Da die Produktion der Panzergranate 40 – ein Panzerabwehrgeschoss mit unterkalibrigem Wolfram-Hartkern – aufgrund des Wolframmangels im Sommer 1943 eingestellt werden musste, war man auf der Suche nach Alternativen. Im MĂ€rz 1944 wurden erfolgreich Versuche mit Urankern-Munition durchgefĂŒhrt. Infolge Materialmangels kam es aber auch hier nicht zu einer weiteren Herstellung.cite-ref-2[2]

Uranmunition wird seit Mitte der 1970er-Jahre zur BekĂ€mpfung gepanzerter Fahrzeuge eingesetzt. WĂ€hrend bekanntermaßen 21 Staaten Uranmunition bevorraten (USA, Russland, Großbritannien, China, Schweden, Niederlande, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, TĂŒrkei, Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Israel, Saudi-Arabien, Irak, Pakistan, Thailand, SĂŒdkorea und Japan), haben bislang nur die USA die Verwendung dieser Munition in Kriegen zugegeben.cite-ref-3[3] Es kamen mehrere tausend Tonnen Uranmunition zum Einsatz, darunter im Zweiten Golfkrieg (320 Tonnen), im Bosnienkrieg (Operation Deliberate Force), im Kosovo-Krieg, im Irakkrieg und im syrischen BĂŒrgerkrieg.cite-ref-4[4] Allein im Irakkrieg 2003 verschoss die „Koalition der Willigen“ zwischen 1000 und 2000 Tonnen Uranmunition.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]

Russischer Überfall auf die Ukraine

Im FrĂŒhjahr 2023 sagte Großbritannien der Ukraine fĂŒr ihre Verteidigung gegen den russischen Überfall seit Februar 2022 die Lieferung von 14 Kampfpanzern vom Typ Challenger 2 zu:cite-ref-7[7] Dieser Kampfpanzer kann Wuchtgeschosse aus abgereichertem Uran verschießen.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Anfang September 2023 bestĂ€tigte die US-Regierung, Uranmunition an die Ukraine, fĂŒr die abgegebenen M1A1 zu liefern.cite-ref-10[10]

Herstellung

Abgereichertes Uran fĂ€llt als radioaktiver Abfall bei der Anreicherung von Uran fĂŒr die Energieerzeugung in Leichtwasser-Atomkraftwerken und bei der Produktion von Kernwaffen an. FĂŒr die Herstellung von 1 kg Uran mit einem Anreicherungsgrad von 5 % werden 11,8 kg natĂŒrliches Uran benötigt. Somit stehen 10,8 kg abgereichertes Uran fĂŒr eine Weiterverarbeitung zur VerfĂŒgung. Bisher wurden nur etwa 5 % des anfallenden abgereicherten Urans weiterverwendet. Die militĂ€rische Verwendung der AbfĂ€lle aus der Urananreicherung spart die Kosten der Zwischenlagerung von nicht benötigtem abgereicherten Uran. Die Herstellung von Uranmunition ist beispielsweise im Vergleich zur Wolframcarbidmunition gĂŒnstiger.

Aufgrund der hohen Dichte (≈19,1 g/cmÂł) des Urans entfalten diese Geschosse beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft. Das abgereicherte Uran besteht, im Vergleich zu Natururan, zu einem geringeren Anteil aus dem spaltbaren Uranisotop 235U und damit grĂ¶ĂŸtenteils aus dem nicht durch thermische Neutronen spaltbaren Isotop 238U. Die RadioaktivitĂ€t des abgereicherten Urans (die α-Strahlungs-AktivitĂ€t ist mit 15.000 Bq/g etwa 40 % geringer als die von Natururan, die 25.000 Bq/g betrĂ€gtcite-ref-11[11]) erfĂŒllt in diesem Fall außer eventueller Abschreckungswirkung keinen militĂ€rischen Zweck. Weiterhin kann Uranmunition auch Spuren von Transuranen wie zum Beispiel Plutonium enthalten.cite-ref-12[12]

Anwendung

Uranmunition besteht entweder zu einem großen Teil aus Uran in Legierung mit anderen Metallen wie Titan oder MolybdĂ€n oder nur teilweise in Form eines lĂ€nglichen Kerns inmitten eines Geschosses aus anderen Materialien. Da Uran korrosionsanfĂ€llig ist, sind die Geschosse zumindest mit einem dĂŒnnen Schutzmantel aus anderem Metall umgeben. Urangeschosse sind Wuchtgeschosse, die durch hohen Impuls die Panzerung eines Hartziels durchschlagen. Uran eignet sich fĂŒr diese EinsĂ€tze vor allem wegen seiner sehr hohen Dichte, aber auch wegen der Eigenschaft, sich beim Aufschlag so zu verformen, dass eine Spitze erhalten bleibt; daher wird Uranmunition auch als „selbstschĂ€rfend“ bezeichnet. Ein zusĂ€tzlicher Effekt ist, dass sich beim Aufprall auf ein gepanzertes Ziel heißer Uranstaub bildet, der sich bei Luftkontakt im Inneren spontan entzĂŒndet (pyrophorer Effekt). Dadurch kann die mitgefĂŒhrte Munition oder der Treibstoff entzĂŒndet werden, was zu der sogenannten SekundĂ€rexplosion des Zieles fĂŒhren kann.

Urangeschosse werden als Panzermunition in Form von TreibkĂ€figgeschossen, wie bei der Munition M829 (circa 4,5 kg Uran pro Geschoss), sowie als Hartkernmunition von Maschinenkanonen eingesetzt. In nennenswertem Umfang wurde die Munition „PGU-14/B API Armor Piercing Incendiary [DU] 30 mm Ammunition“ mit dem Flugzeug Fairchild-Republic A-10 verschossen. Ein Projektil PGU-14/B enthĂ€lt 301 Gramm Uran-238, das mit einem Gewichtsanteil von 0,75 % Titan legiert und mit einem Mantel von 0,8 mm Aluminium umhĂŒllt ist.cite-ref-13[13] Des Weiteren ist Uranmunition fĂŒr Maschinenkanonen in den Kalibern 25 mm und 20 mm beim MilitĂ€r verbreitet.

Auswirkungen auf den Menschen

Uran ist sowohl chemisch giftig als auch radioaktiv. Hierbei ist bei Uranmunition die RadioaktivitÀt reduziert, wÀhrend die chemische Wirkung unverÀndert ist. Aufgrund der geringen AktivitÀt der Geschosse wird dabei nicht die radiologisch, sondern die chemisch toxische Wirkung auf die Nieren bei einer ausreichenden Aufnahme als das eigentliche Risiko angesehen.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Es gibt kein internationales Abkommen, das den Einsatz von abgereichertem Uran explizit verbietet. Jedoch wird im Genfer Protokollcite-ref-16[16] allgemeiner die Verwendung von giftigen Stoffen im Krieg verboten.

Physikalische Wirkung

Abgereichertes Uran – mit einem Gehalt von 99,8 % 238U und 0,2 % 235U – ist selbst ein Alphastrahler, dessen Strahlung Kleidung und Haut nicht durchdringt. Die α-AktivitĂ€t von 238U und die von seinen Zerfallsprodukten ausgehende Betastrahlung ergeben eine gesamte AktivitĂ€t von etwa 40.000 Bq pro Gramm DU. Die RadioaktivitĂ€t ist wegen der Halbwertszeit von 238U mit 4,5 Milliarden Jahren schwach. Ein Kilogramm abgereichertes Uran erzeugt in einer Entfernung von einem Meter eine jĂ€hrliche Strahlendosis von 1 mSv, das entspricht etwa einem Drittel der Aufnahme durch natĂŒrliche Quellen (2–3 mSv/Jahr).cite-ref-17[17] Dennoch kann die von ihm erzeugte Dosisleistung, wenn sie ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum oder auf kurze Entfernung wirkt, das Erbgut schĂ€digen und Krebs auslösen. Die eigentliche Gefahr geht aber nicht von Ă€ußerer Strahlung aus, sondern von ĂŒber die Atemwege und Nahrung aufgenommenen uran- oder uranoxidhaltigen StĂ€uben (innere Strahlung).

Über die Bewertung der SchĂ€dlichkeit der relativ schwachen ionisierenden Strahlung herrscht Uneinigkeit. Da nur wenige Erkenntnisse zu auftretenden SchĂ€den durch geringe Strahlungsdosen vorliegen, werden diese aus den bekannten Daten ĂŒber SchĂ€den von hohen Dosisleistungen abgeleitet. Diese Vorgehensweise ist jedoch umstritten, manche Studien zeigen weit geringere SchĂ€den durch niedrige Strahlungsdosen als diese Extrapolation vermuten ließe, andere Forscher vermuten im Gegenteil grĂ¶ĂŸere Risiken als bisher angenommen.

Chemische Wirkung

Uran wirkt chemisch wie viele andere Schwermetalle und schĂ€digt als Gift den Stoffwechsel der inneren Organe, vorwiegend der Nieren.cite-ref-efferth-18-0[18]cite-ref-boecker-19-0[19] Die chemische Giftigkeit ist besonders in den ersten Wochen nach der Aufnahme einer grĂ¶ĂŸeren Uran-Menge von Bedeutung.

Auswirkungen

Von der intakten Munition geht eine relativ geringe Gefahr aus, da der intakte Metallmantel bzw. auch das massive Geschoss selbst die meisten ionisierenden Strahlen abschirmt. Auch das von verschossenen Penetratoren ausgehende Risiko wird meist als gering eingeschĂ€tzt. Die Hauptwirkung entsteht, weil sich beim Einschlag der Geschosse auf ein hartes Ziel ein Aerosol aus feinsten Uran- und Uranoxid-Partikeln bildet. Dieses kann bis in die tieferen Atemwege eingeatmet oder ĂŒber die Nahrung aufgenommen werden und dadurch in beiden FĂ€llen in die Blutbahn geraten. Grundlagenuntersuchungen zur möglichen Strahlenbelastung durch DU-Munition wurden vom Helmholtz-Zentrum MĂŒnchen vorgelegt.cite-ref-20[20]

Ein Einwand dazu lautet, ein Großteil des bei einmaligem Kontakt aufgenommenen Materials werde rasch ausgeschieden. Nach Angaben der WHOcite-ref-who-21-0[21] werden innerhalb weniger Tage 90 % des löslichen Urans aus dem Blut ausgeschieden und 98 % des ĂŒber die Nahrung aufgenommenen sowie 95 % des eingeatmeten Urans werden ausgeschieden, ohne je ins Blut zu geraten. Kritiker antworten darauf, dass die verbleibenden 2 bis 5 % giftig genug seien und dass die Ausscheidungsrate nur fĂŒr die einmalige Aufnahme, nicht jedoch fĂŒr die tĂ€gliche und kontinuierliche Aufnahme ĂŒber Trinkwasser und Nahrung gelte.cite-ref-22[22] Weiterhin fĂŒhren sie an, dass sich unlösbare Partikel bis zu acht Jahre lang in der Lunge einlagern können. Dort wirken sie dann sowohl aufgrund der Alpha-Strahlung, als auch aufgrund der chemischen Eigenschaften stark krebserregend. Zudem kann es auch im kurzen Zeitraum zwischen der Aufnahme in den Körper und der Ausscheidung zu akuten Vergiftungen mit schweren, langanhaltenden SchĂ€den bis zum akuten Nierenversagen kommen.cite-ref-efferth-18-1[18]cite-ref-boecker-19-1[19] Die WHO hat daher in derselben Empfehlung Grenzwerte fĂŒr die tĂ€gliche Aufnahme von löslichen Uranverbindungen von 0,5 ÎŒg/kg Körpergewicht, von 5 ÎŒg/kg fĂŒr unlösliche Verbindungen und von maximal 1 ÎŒg/mÂł in der Umgebungsluft bei Aufnahme ĂŒber den Atemtrakt empfohlen.cite-ref-who-21-1[21]

Auswirkungen auf Boden und Grundwasser

Eine potenzielle Bedrohung stellen ebenfalls die in den Boden geschossenen Projektile dar, die innerhalb von fĂŒnf bis zehn Jahren vollstĂ€ndig korrodieren können und dadurch das Uran in das Grundwasser freisetzen. Ende 2000 durchgefĂŒhrte Messungen der Internationalen Atomenergieorganisation im ehemaligen Jugoslawien zeigten bisher nur minimal erhöhte Urankonzentrationen im Grundwasser, die nicht ĂŒber denen von Regionen mit naturbedingt höherem Urangehalt liegen. Nachdem 2003 laut einem Berichtcite-ref-23[23] der UNEP in Bosnien im Boden, in der Luft und im Trinkwasser abgereichertes Uran gefunden wurde, empfiehlt sie eine mehrjĂ€hrige Beobachtung durch regelmĂ€ĂŸige Wasserproben vorzunehmen und in der Zwischenzeit das Wasser aus „anderen Quellen“ zu beziehen.

Laut einer Studie der Forscher vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) verwittert das Material der Urangeschosse im Boden und wandelt sich langfristig zu Sabugalit um, einem Stoff, der zu den Aluminium-Uranylphosphaten zĂ€hlt. Die vollstĂ€ndige Umwandlung der Uranmunition in Sabugalit, in dem das giftige Uran fest gebunden ist, könnte nach SchĂ€tzungen der Forscher in rund 50 Jahren erwartet werden.cite-ref-helm-24-0[24] Wissenschaftler des Institutes fĂŒr PflanzenernĂ€hrung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt fĂŒr Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig zeigten, dass in den Boden als Uranoxid eingebrachtes metallisches Uran und Uranoxid durch physikochemische und biologische VorgĂ€nge gelöst und fĂŒr Pflanzen aufnehmbar wird. Nach 3 Jahren Verbleib im Boden waren in den Versuchen der FAL bis zu 40 % des zugefĂŒhrten Urans in mobile Verbindungen ĂŒbergegangen. Solche mobilen Uran-Verbindungen können entweder von Pflanzen aufgenommen, oder in Böden und GewĂ€sser verlagert werden. Die von den Pflanzen aufgenommenen Uran-Mengen hingen in den Versuchen der FAL direkt von den Uran-Konzentrationen im Boden ab. Bezogen auf den Gesamturangehalt des Bodens gingen 0,4–0,6 %, oder bezogen auf den verfĂŒgbaren Anteil an Uran 5–6 % aus dem Boden in oberirdische Teile von Pflanzen ĂŒber. Die Uran-Konzentrationen der Pflanzen lagen schon in den geringsten Belastungsstufen um bis zu tausendmal höher als in den Kontrollen. Die FAL-Wissenschaftler fanden aber auch, dass die Mobilisierung des Urans mit abnehmender Fruchtbarkeit des Bodens (niedrigere pH-Werte, geringere Gehalte an mineralischen PflanzennĂ€hrstoffen, vor allem Phosphor) zunimmt. Wenig fruchtbare Böden sind aber gerade typisch fĂŒr Krisengebiete, wo die Bevölkerung in hohem Maße auf Selbstversorgung vom eigenen Boden angewiesen ist.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] Mit diesem Umwandlungsprozess ist parallel ein „Auswaschungsprozess“ verbunden, der deutlich lĂ€nger anhĂ€lt. „Dabei entstehen neue carbonathaltige Uranverbindungen, die sehr gut wasserlöslich sind“ und so in Sicker- und Grundwasser gelangen und von Pflanzen aufgenommen werden können. Die im Sickerwasser gemessenen Werte sind vergleichbar mit Werten, die „in ehemaligen Uranabbaugebieten, wie den Bergwerken bei Schlema in Sachsen“ gemessen wurden.cite-ref-helm-24-1[24]

Wegen der Gefahr der Inhalation des Uran-Aerosols sollten Soldaten und Zivilisten einen Atemschutz anlegen, wenn sie sich in Gebieten aufhalten, in denen vor kurzem panzerbrechende Munition eingesetzt worden ist. Bis sich das Aerosol vollstÀndig niedergeschlagen hat, können besonders in ariden Gebieten Tage vergehen.

Studien und Kritik

Über das tatsĂ€chliche Ausmaß der Bedrohung herrscht Uneinigkeit.

Von Gegnern dieser Waffen, wie der Organisation Ärzte fĂŒr die VerhĂŒtung des Atomkrieges (IPPNW), wird Uranmunition fĂŒr Krebserkrankungen, Missbildungencite-ref-27[27] und FolgeschĂ€den wie das Golfkriegssyndrom verantwortlich gemacht. Sie fĂŒhren an, dass Statistiken einen nicht zu ĂŒbersehenden Anstieg gerade von Haut- und Lungenkrebserkrankungen in betroffenen Kriegsgebieten zeigen.

Nach Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) liegt keine besondere radiologische GefĂ€hrdung vor. Im WHO guidance on exposure to depleted uranium heißt es explizit, dass keine Studie eine Verbindung zwischen Kontakt mit abgereichertem Uran und dem Auftreten von Krebs oder angeborenen Defekten finden konnte (No study has established a link between exposure to DU and the onset of cancers or congenital abnormalities.). Kritiker bemĂ€ngeln die Methodik und werfen den Studien mangelnde UnabhĂ€ngigkeit vor. Gegner der Uranmunition fordern die DurchfĂŒhrung neuer Auswertungen und Bewertungen.cite-ref-28[28]

Der so genannte Lloyd-Berichtcite-ref-29[29] ĂŒber GesundheitsschĂ€den bei britischen Golfkriegsveteranen zeigte die Existenz des Golfkriegssyndroms auf und untersuchte eine Reihe von potenziellen Auslösern dafĂŒr. Uranmunition wurde dabei als einer der potenziellen Auslöser bezeichnet, allerdings verwies die Studie auch klar auf den Mangel an gesicherten Fakten ĂŒber die Risiken. Besonders hervorgehoben wurde ein frĂŒherer Bericht der Royal Society, der die Gefahr von Uranmunition fĂŒr Soldaten als nach heutigem Wissensstand eher gering einschĂ€tzte, allerdings ebenfalls Langzeitstudien und weitergehende Untersuchungen forderte. Der Bericht weist darauf hin, dass ihm Ergebnisse von solchen Untersuchungen nicht zur VerfĂŒgung gestellt wurden. Die britische Regierung merkte an, die Finanzierung des Berichts sei intransparent.cite-ref-30[30]

Der Irak ist das am stĂ€rksten durch Uranwaffen kontaminierte Land. US-amerikanisches und britisches MilitĂ€r verschossen in den Kriegen von 1991 und 2003 mindestens 400.000 Kilogramm Uranmunition. Die Zivilbevölkerung war nicht ĂŒber die Risiken des Einsatzes informiert. Feldstudien ĂŒber die Auswirkungen von Uranmunition im Irak wurden aufgrund der Weigerung der USA, Orts- und Mengenangaben ĂŒber verschossene Munition zur VerfĂŒgung zu stellen, stark behindert. Die Friedensorganisation Pax hat vom niederlĂ€ndischen Verteidigungsministerium im Rahmen des „Freedom of Information Act“ einige wenige US-Koordinaten erhalten. Aus diesen geht hervor, dass die US-Armee 2003 DU auch in Wohngebieten eingesetzt hat. Die Anzahl der Krebserkrankungen in der Provinz Babil, sĂŒdlich von Bagdad, stieg von 500 diagnostizierten FĂ€llen im Jahr 2004 auf 9.082 im Jahr 2009.cite-ref-31[31] Uran-Munition wurde in fĂŒnf Kriegen, unter anderem auch im Kosovo und in Afghanistan eingesetzt. Die Studie Krebs, Kindersterblichkeit und GeburtenĂ€nderung im GeschlechterverhĂ€ltnis von Chris Busby, Malak Hamdan und Entesar Ariabi von 2010 zeigte einen Anstieg bei Krebs und Missbildungen in Falludscha/Irak. Die Studie beschĂ€ftigte sich jedoch nicht mit der Identifizierung der/s konkreten Verursacher/s des Anstiegs.cite-ref-32[32]

Alternativen

Eine etwas geringere panzerbrechende Wirkung lÀsst sich mit Wolframcarbid (Dichte: ca. 16 g/cm³, je nach Zusammensetzung) erreichen, das nicht radioaktiv ist. Bei gleicher Aufschlaggeschwindigkeit besitzt es eine 5 bis 10 % geringere Durchschlagskraft als Uran, da sich ein Uranprojektil beim Durchdringen der Panzerung selbst schÀrft, das Wolframcarbidprojektil hingegen stumpf wird.

Wolframcarbid ist allerdings schwerer zu verarbeiten und teurer als abgereichertes Uran, das als Abfallprodukt der Atomindustrie leicht verfĂŒgbar ist. Ähnlich wie oxidierter Uranstaubcite-ref-33[33] kann auch Wolframcarbidstaub, der Spuren von Cobalt enthĂ€lt, bei chronischer Exposition eine Lungenfibrose auslösen.cite-ref-34[34]

Die Bundeswehr verwendet Wolframcarbidmunition. Die USA haben die Munition des Phalanx CIWS grĂ¶ĂŸtenteils durch Wolframcarbidgeschosse ersetzt, wĂ€hrend in anderen Waffensystemen wie dem M1A1 auch Uranmunition weiterhin zum Einsatz kommt.

Siehe auch

‱ Siegwart-Horst GĂŒnther, Forscher zum Krankheitsbild durch Uranmunition
‱ Frieder Wagner, Autor von Todesstaub – made in USA: Uranmunition verseucht die Welt

Weblinks

Wiktionary: Uranmunition

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Depleted uranium

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Uranmunition. Abgerufen am 30. Dezember 2023 (Gesellschaft fĂŒr Anlagen- und Reaktorsicherheit, 2023).
‱ Elena Bruess, Joe Snell, Madhurita Goswami: War and the environment: The disturbing and under-researched legacy of depleted uranium weapons. In: thebulletin.org. (englisch)
‱ ARD-Weltspiegel Irak Uranmunition – das strahlende VermĂ€chtnis, 3. Februar 2013

Videos

‱ Frieder Wagner: Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra – Uranwaffen und ihre Folgen. In: die Story (WDR 2004)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Margit Fink: "Metal of Dishonor" - munitions from depleted Uranium (DU) contaminates soils in crisis areas, auf idw-online.de, 2005
cite-note-33. ↑ Dagmar Röhrlich: Nach dem Krieg bleibt der giftige Staub In: Welt Online, 5. Februar 2018.
cite-note-44. ↑ Christoph Sydow: USA rĂ€umen Einsatz von Uranmunition in Syrien ein. In: Spiegel Online, 16. Februar 2017.
cite-note-55. ↑ Paul Brown: Gulf troops face tests for cancer. In: The Guardian, 25. April 2003.
cite-note-66. ↑ Iraq War Anniversary: Birth Defects And Cancer Rates At Devastating High In Basra And Fallujah. In: The Huffington Post, 20. MĂ€rz 2013.
cite-note-77. ↑ Gregor Uhlig: Großbritannien liefert Uran-Munition an Ukraine. In: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de. Deutsche Wirtschaftnachrichten, 22. MĂ€rz 2023, abgerufen am 2. Juli 2023.
cite-note-88. ↑ Marco Zschieck: Uranmunition fĂŒr die Ukraine: Uran alleine reicht nicht. In: taz.de. 7. September 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023.
cite-note-99. ↑ Till Eichenauer: Briten liefern Ukraine Munition aus radioaktivem Material: Wie gefĂ€hrlich sind Urangeschosse? In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. Redaktionsnetzwerk Deutschland, 3. MĂ€rz 2023, abgerufen am 2. Juli 2023.
cite-note-1010. ↑ Biden Administration Announces Additional Security Assistance for Ukraine. 6. September 2023, abgerufen am 7. September 2023 (amerikanisches Englisch).
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